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Daniel Schnyder - Saxophon, Querflöte
Georg Breinschmid - Kontrabass
Thomas Dobler - Vibraphon
Daniel Pezzotti - Violoncello


Im schweizerisch-österreichischen Quartett classXXX betreibt die Musikgeschichte auf originelle Weise Inventur - und erschliesst sich neue Felder des Möglichen. Dabei bedient sie sich vier der umtriebigsten und stilistisch neugierigsten Instrumentalisten des europäischen Jazz, denen allesamt zugute kommt, in der Formsprache der klassischen Musik sozialisiert worden zu sein. Irgendwann wurde ihnen das Korsett der Klassik zu eng, sie sprengten es und bewiesen ihre Meisterschaft in freieren Formen, wie sie Jazz und diverse ethnische Einflüsse boten. So weit das übliche musikalische Biografiemuster. Bei classXXX jedoch wurde klassisches Musikverständnis nicht als Ballast abgeworfen, sondern blieb deren Kompositionen als wertvoller Ballaststoff erhalten.

Die Projekte und Kooperationen dieser vier Grenzgänger aufzuzählen, würde einen Folianten füllen. Exemplarisch sei jenes für das 21. Jahrhundert richtungsweisende Doppelleben nur anhand von Eckdaten markiert: bei Daniel Pezzotti etwa, der Cellist an der Zürcher Oper ist und wesentlicher Promotor des Cellos in Jazz und World-Music (mit Weggefährten wie Steve Swallow, Kenny Drew jr., Hermeto Pascoal und Thierry Lang); bei Thomas Dobler als Spezialist für Neue Musik und Dozent in diversen Konservatorien sowie Lionel-Hampton-Interpret und Gast der Ajekoo Drummers aus Ghana; bei dem zweimaligen Hans-Koller-Preisträger Breinschmid als Bassist bei den Wiener Philharmonikern, dem Vienna Art Orchestra und Sideman von Archie Shepp, Charlie Mariano oder Christian Muthspiel; bei Daniel Schnyder schliesslich als Komponist für etliche Symphonieorchester sowie für Abdullah Ibrahim, Lee Konitz, Paquito D'Rivera, Simon Shaheen und Bassam Saba.

Elegant und robust, klug und verspielt, kompliziert und leichtfüssig zugleich gebärdet sich der Chamber Jazz von classXXX. Eine Klasse für sich jedenfalls, wie sich bei ihnen die grossen Traditionen des Modern Jazz, von akkordgebundener Improvisation bis zu freien Tonskalen, mit den grossen Traditionen der klassischen Tradition, von Barock bis zu Atonalität, ineinanderfügen. Aber auch von so genannten ethnischen Elementen lassen classXXX ihre oft modalen Kompositionen gerne inspirieren, welche hauptsächlich von Daniel Schnyder und Georg Breinschmid stammen. Kein Wunder, hat sich Ersterer doch wie wenige "Westler" vor ihm in orientalischer Musik umgetan und Letzterer ein besonderes Nahverhältnis zu Traditionen von Grinzing südostwärts bis Istanbul; und haben auch Dobler und Pezzotti immer wieder ihre Fühler nach neuen alten Musiktraditionen fernab des westlichen Kanons ausgestreckt.

Die Grenzen zwischen E- und U-Musik, zwischen Jazz, Klassik und "World" zu überwinden, ist längst nichts Neues mehr; neuartig und originell indes ist die Schlüssigkeit, mit welcher die Formen bei classXXX diffundieren. Ganz gleich ob sie Themen von Abdullah Ibrahim oder Antonio Vivaldi bearbeiten, mit Valse de Musette, orientalischen Vierteltönen, ungeraden, "balkanischen" Rhythmen oder Modi der Alten Musik kokettieren (wie etwa bei G. Breinschmids opulentem Opus "Brein's Knights"), stets gelingen den vier Herren wohldurchdachte Stücke im distinkten classXXX-Stil: organisch, komplex - und dennoch unbemüht und unverschämt groovend...